Singen für Deutschland

Sind Sie typisch deutsch? fragt eine Samstagabendshow in der ARD, die Deutsche Post wirbt mit einem großen Deutschland-Quiz für ihre neue Briefmarkenserie, Das Deutschland-Journal und Wir sind Helden stürmen mit ihrem Hit Gekommen, um zu bleiben die deutschen Single-Charts, immer dicht gefolgt von zahlreichen anderen neuen deutschen Bands wie Fettes Brot und Söhne Mannheims. Deutschland ist in, die Muttersprache und sogar die Liebe zur Heimat popfähig, sobald eine junge freche Sängerin, wie Mieze von der Band Mia den Ton angibt. Zeichen eines neuen positiven Deutschland-Bildes? Sehnsuchtsort Deutschland? Oder nur ein schwarz-rot-goldenes Deckmäntelchen über der alten Scham, Deutsch zu sein? Bei den Patienten von Prof. Dr. Helga Bellbein ist das neue deutsche Wohlbefinden noch nicht angekommen. Sie leiden unter psychosomatischen Abwehrreaktionen gegen alles, was deutsch ist. Die Symptome sind unterschiedlich schwer: Patienten mit Wurstallergie, Fußballphobie und Flaggenparanoia gehören zu den leichteren Fällen. Aber was tun mit Menschen, die ihre Herkunft kategorisch leugnen oder mit cholerischen Anfällen auf Karneval reagieren? Einmal wöchentlich treffen sich die Geplagten im psychologischen Institut der renommierten Verhaltenstherapeutin.

„Singen für Deutschland“ ist heute Abend in der Inszenierung von Erik Gedeon im Schauspielhaus zu sehen. Beginn ist um 18:00 Uhr.